Kolonialismus-kritische Anerkennung
Auf einer Website des North Western Melbourne Primary Health Network der australischen Regierung steht unten im Footer dieser Satz:
»Wir erkennen die Menschen der Kulin-Nation als die traditionellen Eigentümer*innen des Landes an, auf dem unsere Arbeit in der Gemeinschaft stattfindet. Wir zollen ihren Ältesten in Vergangenheit und Gegenwart unseren Respekt.«
Die Übersetzung ist von uns. Hier findest du die englische Originalversion
Auf der Website einer anderen Organisation namens LGBTIQ+ Health Australia steht unten im Footer dieser Satz:
»ANERKENNUNG DES LANDES: LGBTIQ+ Health Australia würdigt die traditionellen Eigentümer*innen des Landes in ganz Australien, ihre Vielfalt, Geschichte und ihr Wissen sowie ihre anhaltenden Verbindungen zu Land und Gemeinschaft. Wir zollen allen australischen indigenen Gesellschaften und ihren Kulturen sowie den Ältesten vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Generationen unseren Respekt.«
Die Übersetzung ist von uns. Hier findest du die englische Originalversion.
Mit diesen Bekenntnissen zeigen die Organisationen eine respektvolle Haltung gegenüber den Indigenen Bevölkerungen Australiens und ihrer Geschichte. Nach Jahrhunderten der Verfolgung und des Genozids ist eine sprachliche Anerkennung einer von vielen wichtigen Schritten, um die andauernden Diskriminierungen Indigener Menschen zu verändern.
Wie könnte so ein Bekenntnis für Deutschland aussehen?
Die Anerkennung der deutschen Kolonial-Verbrechen wurde in Deutschland lange völlig verweigert. Auch wenn sich das langsam ändert: Kolonial-rassistische Haltungen und Politiken setzen sich bis heute fort. Du willst mehr über Spuren des →Kolonialismus in Deutschland erfahren? Ein spannendes Projekt dazu heißt Tear this down.
Die Beispiele von oben sind nicht direkt auf Deutschland übertragbar, weil die ehemaligen deutschen Kolonien nicht auf dem heutigen deutschen Staatsgebiet liegen.
Für welche vergleichbaren Geschichten fehlt eine Anerkennung in Deutschland? Wo wird Verantwortung bis heute verweigert? Wo setzen sich Diskriminierungen fort? Wie könnte das geändert werden?
- In deinem Wohnhaus oder deiner Straße oder dem Geschäft in deiner Nähe könnte eine Tafel stehen, die sagt: »Hier haben bis in die 1940er Jahre Jüdische Personen und →Sinti*ze und Rom*nja gelebt und gearbeitet. Sie wurden während des Nationalsozialismus enteignet und vertrieben. Viele von ihnen wurden ermordet. Die heutigen Besitz*erinnen erkennen an, dass ihr Besitz auf diesem Unrecht basiert und dass sie eine Verantwortung dafür tragen.«
- Deine Firma könnte auf ihre Website schreiben: »Unser Unternehmen hat während des Nationalsozialismus Menschen als Zwangs-Arbeit*erinnen ausgebeutet. Wir erkennen die Verantwortung für diese Verbrechen an. Wir erkennen außerdem an, dass die heutige Ausbeutung →migrantisierter Arbeitskräfte eine Folge und Fortsetzung dieser Geschichte der Ausbeutung und Entrechtung ist.«
- Website Speaking up speaks Volumes des North Western Melbourne Primary Health Network
- Website der Organisation LGBTIQ+ Health Australia
