Machtverhältnis

Mit Machtverhältnis bezeichnen wir Beziehungen zwischen Lebewesen in denen eine Seite mehr Macht hat als die andere. Ein Machtverhältnis ist dann strukturell diskriminierend, wenn es eine längere Geschichte hat und Teil der alltäglichen →Dominanz-Kultur und Gewohnheiten in einer Gesellschaft ist.

Alle Beziehungen zwischen Menschen (und anderen Lebewesen) in denen Anders-Machung stattfindet sind solche strukturellen Machtverhältnisse. Denn die Einteilung in normal und anders verursacht eine ungleiche Verteilung von Macht. Zum Beispiel erfahren viele Menschen Diskriminierung, weil es als normal gilt →cis-gender, →endogeschlechtlich, →heterosexuell und männlich zu sein.

Auch die Einteilung in Mensch und Natur verursacht ein Machtverhältnis. Menschliche Gesellschaften, die sich als getrennt von Natur verstehen, üben Macht und Gewalt gegen andere →Lebewesen wie Flüsse, Wiesen und Waldtiere und gegen andere Menschen aus.

Beispiele für Machtverhältnisse sind Beziehungen zwischen:

Das heißt: Machtverhältnisse zeigen sich in Beziehungen zwischen gesellschaftlichen Einrichtungen, Gruppen und Einzelnen. Aber: Keines dieser Machtverhältnisse wirkt einzeln. Sie sind immer miteinander verbunden und wirken vielschichtig zusammen. Zum Beispiel:

  • das Jobcenter hat finanzielle Macht über eine →migrantisierte armutsbetroffene Person mit einer BeHinderung
    • hier wirken besonders BeHindert-Werden, Migratismus und Klassismus, unabhängig davon ob die zuständige Person vom Jobcenter selbst einmal armutsbetroffen war, oder eine BeHinderung oder Migrations-Geschichte hat
  • eine weiße nicht-jüdische Professorin an der Uni hat die Erzähl-Macht, wenn sie jüdischen und →romani Studentin*nen die Geschichte des Nationalsozialismus erklärt und die Quellen dafür aussucht

Die ungleiche Macht kann sich auf verschiedene Weise ausdrücken. Sie kann greifbar und körperlich sein wie Polizeigewalt. Sie kann gesetzlich festgeschrieben sein, wie ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Die ungleiche Macht zeigt sich auch indirekt, dadurch dass etwas fehlt. Zum Beispiel, wenn Kinder in der Schule nur die Geschichten weißer christlicher Männer lernen. Ungleiche Macht zeigt sich auch in dominanten Erzählungen. Zum Beispiel wenn Menschen in den Medien behaupten, es gäbe nur 2 Geschlechter und dadurch das Dasein von →inter* Personen und →nicht binären Menschen verleugnen.

Machtverhältnisse können unsichtbar und unausgesprochen und trotzdem wirksam sein, zum Beispiel wenn du vermeidest nachts durch einen dunklen Park zu spazieren aus Angst vor cis-männlicher sexualisierter Gewalt oder wenn du bestimmte Stadtteile meidest, weil dort Rechtsextreme das Stadtbild bestimmen.

Mehr Beispiele und Erklärungen dazu, wie Machtverhältnisse wirken, findest du unter Was ist strukturelle Diskriminierung?

Gut zu wissen: Auf Gerecht*Sprechen möchten wir dich auf Machtverhältnisse aufmerksam machen, anstatt Lebewesen in Schubladen wie Gender oder Herkunft einzuordnen. Beispiele dafür findest du unter Wie spreche ich gendergerecht? und unter Was ist Anders-Machung?