Norm
Das Wort »Norm« bedeutet übersetzt »Regel«. Soziale Normen sagen aus, welche Verhaltensweisen und Eigenschaften in einer Gesellschaft als normal und selbstverständlich gelten, und welche nicht. Das bedeutet, Normen sind die Grundlage von Normal-Machung auf der einen, und Anders-Machung auf der anderen Seite. Normen äußern sich sprachlich über Aussagen, die etwas als richtig oder falsch, zugehörig oder fremd, normal oder anders bewerten. Auf Gerecht*Sprechen schreiben wir solche Bewertungen schräg, um hervorzuheben dass diese Einordnungen oft diskriminierend sind.
Normen sind auch Regeln für das Zusammenleben in einer Gesellschaft, wie zum Beispiel die Verkehrsregeln. In strukturell ungerechten Gesellschaften sind auch solche hilfreichen Normen oft diskriminierend oder sie gelten nicht für alle gleichermaßen. Zum Beispiel bekommen Autos meistens Vorrang gegenüber Menschen, die zu Fuß gehen, Rollstuhl oder Fahrrad fahren – und auch gegenüber Bäumen, die an den Straßenrändern wachsen und für den Autoverkehr beschnitten oder gefällt werden. Die oft genannte Norm »Die Würde des Menschen ist unantastbar« aus dem deutschen Grundgesetz, gilt nicht für alle Menschen gleichermaßen. Denn es gilt trotz des Grundgesetzes als normal, dass der deutsche Staat gewaltsam Menschen in lebensgefährliche Länder abschiebt, armutsbetroffene Menschen öffentlich beschämt und vielen Menschen mit →BeHinderungen ein selbstbestimmtes Wohnen verweigert. Eigentlich müsste die Norm des Grundgesetzes so lauten: »Die Würde des weißen christlichen →endo-→cis-gender Mannes mit geerbtem Wohlstand und Privat-Eigentum, ohne chronische Krankheiten, Migrations-Geschichte und BeHinderung, und mit sehr gutem Einkommen ist unantastbar.«
Normen nicht zu befolgen wird bestraft, zum Beispiel durch abwertende Blicke, wenn Menschen →Gender-Normen wahrnehmbar überschreiten. Normen führen zu Gewalt, ohne dass Menschen überhaupt die Möglichkeit haben ihnen zu entsprechen. Zum Beispiel die rassistische Norm, dass nur →weiße Menschen von der Polizei automatisch als zugehörig und unverdächtig behandelt werden.
Normen sind veränderbar. Verhaltensregeln werden normalisiert indem sie andauernd wiederholt und bestätigt werden. Das heißt Menschen können Normen auch in Frage stellen und ablehnen. Ein Beispiel dafür sind →queere →Nahbeziehungen. Sie verändern die Normal-Vorstellung nach der Menschen in →heterosexuellen Familien leben sollen. Ein anderes Beispiel sind Gemeinschaften, die beschließen sich von der →kapitalistischen Norm von Privat-Eigentum zu verabschieden und ihre Güter und ihr Geld zu teilen und gemeinsam zu wirtschaften. »Die neue Norm« heißt bezeichnenderweise ein Online-Magazin, dass beHindernde Normal-Vorstellungen hinterfragen und aufbrechen will. Ein weiteres Beispiel für eine diskriminierungs-kritische Veränderung von Normen ist die Anerkennung von Landschaften und Gewässern als →Lebewesen mit eigenen Rechten.
