Beispiele
Diskriminierung durch Einzelpersonen
Du kommst am Strand mit einer dir unbekannten Person ins Gespräch. Am Ende der Begegnung, sagt sie: »Es ist so toll, wie mutig du durchs Leben gehst!«
Die Person braucht die Worte »trotz deiner Behinderung« gar nicht auszusprechen, um dir zu vermitteln, dass sie dich in diese anders-machende Denk-Schublade gesteckt hat.
Diskriminierung durch →Institutionen
Du siehst ein →trans*feindliches Video auf tiktok. Du möchtest es nicht unkommentiert stehen lassen. Gleichzeitig weißt du, dass automatisch noch mehr Menschen das Video sehen, wenn du es kommentierst. Denn die Algorithmen von sozialen Medien sind so programmiert, dass jede Interaktion mit einem Post dazu führt, dass der Inhalt noch mehr Leuten angezeigt wird.
Diskriminierung durch Gesetze
Stell dir vor in deiner Herkunftsfamilie gäbe es Vermögen. Stell dir vor deine Verwandten würden Wohnungen und Häuser besitzen. Sie würden von gut bezahlter Arbeit leben und von Kapitalerträgen aus vermietetem Wohn-Eigentum und Aktien. Während deiner Ausbildung würdest du Unterhalt von deinen Eltern bekommen und müsstest keine Schulden machen. Von deiner Herkunftsfamilie würdest du erben – Geldbeträge, Aktien und Wohn-Eigentum. Für dein Einkommen im Alter müsstest du kaum selbst vorsorgen.
Das deutsche Erbrecht bestimmt, dass solche finanziellen Privilegien an Familien-Angehörige vererbt werden. Das deutsche Steuerrecht begünstigt Menschen umso stärker, desto reicher sie sind. Gleichzeitig sorgen Erbrecht, Steuerrecht und Gesetze wie die sogenannte Grundsicherung dafür, dass Armut vererbt wird und armutsbetroffene Menschen arm bleiben.
Diskriminierung durch ungeschriebene Regeln
In den Lehrplänen für die Schule steht nicht geschrieben, dass Kinder im Geschichtsunterricht nur die Geschichten →weißer nicht-behinderter Männer lernen sollen. Es gibt keine schriftliche Regel, die sagt, dass die Perspektiven aller anderen Menschen im Unterricht nicht vorkommen dürfen. Trotzdem werden die Geschichten von →People of Color, →migrantisierten Menschen, →Romani Menschen, →Juden_Jüdinnen, Menschen mit →BeHinderungen ,→inter* Personen, →frauisierten ,→ genderfreien und →queeren Menschen nur selten oder gar nicht in der Schule behandelt.
Erklärung
Diskriminierungen gehen von Menschen aus
Menschen diskriminieren andere Menschen (oder →Lebendiges), wenn sie sie als anders und schlechter bewerten und behandeln. Diskriminierungen durch Einzelpersonen zeigen sich in Anders-Machung, in gewaltsamer Sprache und in Kommunikationen wie Blicken oder Gesten – und sie reichen bis hin zu körperlicher Gewalt. Mehr Beispiele zu Diskriminierungen durch einzelne Menschen gibt es auf der Seite Ist Diskriminierung immer Gewalt?
Diskriminierungen gehen von Institutionen aus
Institutionen sind öffentliche oder staatliche Einrichtungen. Das sind zum Beispiel: Regierungen, Ämter und Verwaltungen, aber auch Universitäten, Schulen, Industrie und Wirtschaftsunternehmen und Krankenhäuser, und auch soziale Medien, wie Instagram und TikTok, genau wie die klassischen Medien Film, Fernsehen, Radio und Zeitungen. Auch die Familienform der Ehe ist eine staatliche Institution. Die Diskriminierung, die von Institutionen ausgeht, ist mit der Diskriminierung durch einzelne Menschen verbunden. Aber: Öffentliche Einrichtungen können diskriminierend organisiert sein und diskriminierend wirken, ohne dass einzelne Personen aktiv daran beteiligt sind. Die Diskriminierung durch Institutionen ist strukturell.
Diskriminierungen gehen von Gesetzen aus
Gesetze können diskriminieren, wenn sie Menschen ungleich behandeln. Die Gesetze, die das Erbrecht und das Privateigentum regeln, sind ungerecht. Denn sie bestimmen, dass bestimmte Menschen finanzielle Privilegien erhalten und andere nicht. So werden Wohlstand und Armut immer weiter vererbt, anstatt Vermögen gerecht aufzuteilen. Diese Ungerechtigkeit besteht nicht nur innerhalb einzelner Länder. Sie besteht auch zwischen den Ländern der Welt, durch die Einteilung der Welt in Nationalstaaten und die Folgen des →Kolonialismus.
Diskriminierungen gehen von ungeschriebenen Regeln aus
Wir alle haben eine Vielzahl an ungeschriebenen Regeln gelernt. Ein anderes Wort für diese ungeschriebenen Regeln ist Kultur. Die ungeschriebenen Regeln sagen uns, wie Menschen sich zu verhalten haben, um dazu zu gehören. Sie sagen uns, dass es normal ist, gesund zu sein, zur Schule zu gehen und einen Beruf zu lernen, ein →Gender zu haben, eine Familie zu gründen und vieles mehr. Die ungeschriebenen Regeln bestimmen unser gesamtes Leben und oft sind sie diskriminierend. So wie das Sprichwort: »Über Geld redet mensch nicht.« Denn nur wenige Menschen können es sich leisten, das nicht zu tun.
Ein anderes Wort für diskriminierende Vorstellungen davon, welche Menschen und welches Verhalten als normal gilt, ist →Dominanzkultur.
Zusammengenommen bilden Gesetze, Institutionen und ungeschriebene Regeln das System struktureller Diskriminierung.
Links
- Erklärung und Beispiele für strukturelle Diskriminierung
- Beispiele und Erklärung zur Frage, ob Diskriminierung immer Gewalt ist
- Artikel über die Anders-Machung von →BeHinderung (Ableismus): dieneuenorm.de
- Links zur Entstehungsgeschichte von →Patriarchat, →Rassismus, →Kapitalismus und BeHindert-Werden finden sich weiter unten auf dieser Seite
- Verschiedene Artikel über unterschiedliche Formen von Diskriminierung im Internet und auf Social Media: hateaid.org
- Artikel über das Vererben von Armut und wie es verändert werden könnte: mein-grundeinkommen.de
- Infos vom Netzwerk Steuergerechtigkeit
- Podcast-Folge »Wie den Abstieg ins Autoritäre stoppen?« Ab Minute 27:17 erklärt Natascha Strobl, wie diskriminierendes Denken durch gezielte Desinformation von Rechtsextremen verstärkt wird: dissenspodcast.de
